Um eine psychoanalytische Perspektive auf das bioenergetische Therapiegeschehen zu entwickeln, werden Begriffe wie Abwehr, Trieb und Selbst untersucht. Es wird kritisiert, dass der kulturelle Wandel der letzten Jahrzehnte und das dadurch stark veränderte Erziehungsverhalten nicht im Theoriekorpus der Bioenergetischen Analyse berücksichtigt wurde, obwohl sich der Fokus der bioenergetischen Praxis dadurch von der Affektmobilisierung hin zur Affektregulation verschoben hat. So sind die heutigen Entwicklungsstörungen kaum noch durch eine affektive Überregulierung und muskuläre Verpanzerungen geprägt. Stattdessen führt ein Mangel an optimaler Frustration durch die Eltern zu einer Unterregulierung von Affekten – und damit einhergehend zu großen Schwierigkeiten, Unlust ertragen zu können. Der Essay plädiert dafür, den psychoanalytischen Trauma-Konflikt-Struktur-Cluster unter Beibehaltung des bioenergetischen Verständnisses einer funktionellen Identität von Körper und Psyche in die Bioenergetischen Analyse einzuführen.
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