Psychodynamic Understanding in Bioenergetic Analysis
Teil 2: Behandlungstheoretische [...] Kernelemente der psychodynamischen Bioenergetik Kapitel 2.1

Psychodynamisches Verstehen in der Bioenergetischen Analyse

Um eine psychoanalytische Perspektive auf das bioenergetische Therapiegeschehen zu entwickeln, werden Begriffe wie Abwehr, Trieb und Selbst untersucht. Es wird kritisiert, dass der kulturelle Wandel der letzten Jahrzehnte und das dadurch stark veränderte Erziehungsverhalten nicht im Theoriekorpus der Bioenergetischen Analyse berücksichtigt wurde, obwohl sich der Fokus der bioenergetischen Praxis dadurch von der Affektmobilisierung hin zur Affektregulation verschoben hat. So sind die heutigen Entwicklungsstörungen kaum noch durch eine affektive Überregulierung und muskuläre Verpanzerungen geprägt. Stattdessen führt ein Mangel an optimaler Frustration durch die Eltern zu einer Unterregulierung von Affekten – und damit einhergehend zu großen Schwierigkeiten, Unlust ertragen zu können. Der Essay plädiert dafür, den psychoanalytischen Trauma-Konflikt-Struktur-Cluster unter Beibehaltung des bioenergetischen Verständnisses einer funktionellen Identität von Körper und Psyche in die Bioenergetischen Analyse einzuführen.

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  • Die Bioenergetische Analyse (BA) nimmt eine funktionale Identität von Körper und Psyche an. Die psychische Entwicklung wird von Beginn an von einer organismischen, d.h. gleichzeitig körperlich und psychisch wirkenden Abwehr begleitet. Entwicklungsmängel aktivieren die organismische Abwehr und führen zu einem Charakterpanzer.
  • Auch die Psychoanalyse (PA) geht von der Existenz organismischer Abwehrprozesse aus, hat die muskulär organisierte Abwehr jedoch nicht in ihre Erklärungsmodelle aufgenommen.
  • BA und PA stimmen darin überein, dass Abwehr der Entlastung vom Affekt- und Impulsgeschehen dient und die Funktionsfähigkeit des Selbst stabilisiert.
  • Im Verständnis der PA ermöglicht eine reife Abwehr, den Strom von Triebimpulsen in ein funktionsfähiges Selbsterleben umzuwandeln, während unreife Abwehrmechanismen eng mit psychischen Störungen in Zusammenhang stehen.
  • Die BA nimmt an, dass die Auflösung der organismischen Abwehr dazu führt, dass sich ein zur Affekt- und Beziehungsregulation fähiger Trieb in natürlicher Form entfalten kann.
  • Die PA nimmt eine psychische Struktur an, die sich parallel zu den Abwehrmechanismen entwickelt und auch Defizite aufweisen kann, die die affektregulatorischen Kompetenzen beeinträchtigen.
  • Die Fähigkeit, Affekte und Beziehung zu regulieren, ist eine Schlüsselkompetenz für das Vermeiden pathologischer Entwicklungen.
  • Ein verändertes Erziehungsverhalten hat dazu geführt, dass die im Rahmen der kindlichen Entwicklung auftretenden Störungen heute in einem geringeren Maße zu einer Überregulation der Affekte und damit zu einem starren Charakterpanzer führen. Stattdessen kommt es vermehrt zu einer Unterregulation der Affekte, die ihre Ursache in einem Mangel an optimaler Frustration durch die Eltern hat.
  • Optimale Frustration ist eine Grundvoraussetzung für die Umwandlung positiver Beziehungserfahrungen in affektregulierende Strukturen.
  • Für die Behandlung struktureller Störungen sollte das charakteranalytische Theoriemodell der BA um den psychoanalytische Konflikt-Trauma-Struktur-Cluster ergänzt werden.
  • Die vom Arbeitskreis OPD ausgearbeitete Konzeption einer Struktur, die Wahrnehmungs-, Steuerungs-, Abwehr-, Kommunikations- und Bindungskompetenzen umfasst, erweist sich bei der Behandlung von Klienten, die von einer Unterregulierung der Affekte betroffen sind, als hilfreich.

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