Das in den Vorstellungen eines biologischen Triebes wurzelnde Konzept der funktionalen Identität und der Charakterstrukturen, das untrennbar mit Wilhelm Reich und Alexander Lowen verknüpft ist, war und ist Körperpsychotherapeut*innen unterschiedlichster Schulen ein wichtiger Bezugspunkt. Das zugehörige Charakterstrukturmodell zeichnet sich durch die Verknüpfung von körperlichem Geschehen und (Gegen-)Übertragungs-Phänomenen, d.h. dem Unbewussten in der Beziehung, aus. Mit zunehmender Konzentration auf frühe Störungen geriet das Modell in den Hintergrund. Dieser Artikel versucht, es wieder mit den Fragestellungen moderner Körperpsychotherapie in Verbindung zu bringen – und damit Alexander Lowens Anspruch zu folgen, wonach neue Fragestellungen auch neue Denk- und Behandlungsmethoden nach sich ziehen. Unterstützt wird dieser Anspruch durch die wachsende Erkenntnis, dass frühe körperliche Erfahrungen in der Beziehung zu ersten Bezugspersonen die Stabilität unserer Persönlichkeit und unsere späteren Selbstregulationsfähigkeiten bedingen. Ein intersubjektives Therapiekonzept, wie es in der modernen Bioenergetischen Analyse verbreitet ist, erfährt theoretische Unterstützung bzw. Verortung in den charakterstrukturellen Konzepten.
Die folgenden Fragen bewegen sich nicht auf der Ebene einer intellektuellen Reflexion des Gelesenen, sondern sollen zur Selbstreflexion und zur Erweiterung der eigenen Wahrnehmung – auch im Sinne der eigenen bioenergetisch-analytischen Erfahrung – anregen.
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