1.5 Bioenergetic, Psychiatric and Psychodynamic Diagnostics
Teil 3: Ausgewählte Anwendungsbereiche der psychodynamischen Bioenergetik Kapitel 3.1

Bioenergetische, psychiatrische und psychodynamische Diagnostik

Dieser Beitrag stellt die Grundlagen der medizinisch-psychologischen Diagnostik von der bioenergetischen über die psychiatrische zur psychodynamischen Diagnostik dar. Er zeigt auf, wie sich die verschiedenen Diagnostiken in ihren modernen Ausprägungen wertvoll gegenseitig bereichern können, und sucht nach Gründen, warum dennoch auf allen Seiten große Vorbehalte vorherrschen, wenn es um die Integration von Erfahrungswerten aus den jeweils anderen Forschungsbereichen geht.

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  • Eine medizinische Diagnose ist eine Zuordnung von erhobenen Befunden zu einem Krankheitsbild.
  • Die psychiatrische Diagnostik dient dem Erstellen von psychiatrischen Diagnosen gemäß den bestehenden Klassifikationssysteme wie der ICD-10. Eine psychiatrische Diagnose umfasst das Sammeln, Gruppieren, Kombinieren und Gewichten von psychopathologischen Auffälligkeiten.
  • Bei den meisten Störungen gemäß der klassischen psychiatrischen Klassifikationssysteme gibt die Diagnose keinen Aufschluss über die Entstehung der diagnostizierten Störung, sodass ihr Aussagehalt in Bezug auf die konkreten Behandlungsoptionen begrenzt ist.
  • In der klassischen Bioenergetischen Analyse werden die fünf Charakterstrukturen aus einer entwicklungspsychologischen Perspektive gelehrt – im Sinn von verweigerten Rechten. Die bioenergetische Körper- und Charakterdiagnostik stellt dann die Basis für alle analytischen und körpertherapeutischen Interventionen der Therapeutin dar.
  • In unserer heutigen Gesellschaft entwickeln sich Charakterstrukturen nicht mehr so typisch wie früher. Zudem wird die bioenergetische Diagnostik dadurch erschwert, dass Charakterstrukturen z.B. rigide oder narzisstisch kompensiert sein können.
  • Psychodynamische Diagnostik versucht, unbewusst ablaufende psychische Prozesse zu identifizieren, zu benennen und zu operationalisieren. Da solche Prozesse schwer in Kategorien zu fassen sind, werden vorrangig dimensionale Entwicklungsmodelle verwendet (Reifungsstufen).
  • Das dreidimensionale psychodynamische Modell von Mentzos stellt den unbewussten inneren Konflikt, d.h. die innere Reibung intrapsychisch polarer Gegensätzlichkeiten, ins Zentrum des therapeutischen Interesses.
  • Das hochdifferenzierte OPD-Manual ist ein gelungener Versuch, die drei zentralen psychodynamischen Themenfelder Konflikt, Struktur und Beziehung messbar zu machen.

Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie (2018). Das AMDP-System (10. Auflage). Hogrefe Verlag.

Arbeitskreis OPD (2006). Operationalisierte Psychodynamische Diagnostik OPD-2. Verlag Hans Huber.

Arbeitskreis OPD (2023). Operationalisierte Psychodynamische Diagnostik OPD-3. Hogrefe Verlag.

Arbeitskreis OPD-KJ (2016). Operationalisierte Psychodynamische Diagnostik im Kindes- und Jugendalter (2. Auflage). Hogrefe Verlag.

Boessmann, U. (2010). Struktur und Psychodynamik. Deutscher Psychologen Verlag.

Falkai, P. & Wittchen, H.-U. (2015). Diagnostische Kriterien DSM-5. Hogrefe Verlag.

Fehr, T. (2000). Bioenergetische Charakterkonzepte aus persönlichkeitspsychologischer Sicht. Report Psychologie, 5–6.

Hladky, F. (1995). The importance of finding the theme when starting to work with a client. Forum der Bioenergetischen Analyse, 1.

Krause, R. (2012). Allgemeine psychodynamische Behandlungs- und Krankheitslehre (2. Auflage). Kohlhammer Verlag.

Mentzos, S. (2013). Lehrbuch der Psychodynamik (6. Auflage). Vandenhoeck & Ruprecht.

Moll, A. (2018). Wozu so eine komplizierte Theorie, wenn wir doch direkt mit dem Körper arbeiten können? In J. Tasche & R. Weber-Steinbach (Hrsg.), Bioenergetik als mentalisierende Körperpsychotherapie (S. 35–87). Vanderhoek & Ruprecht.

Remschmidt, H., Schmidt, M., Poustka, F. (2002). Multiaxiales Klassifikationsschema für psychische Störungen des Kinder- und Jugendalters nach ICD-10 der WHO (4. Auflage). Verlag Hans Huber.

Rudolf, G. (2006). Strukturbezogene Psychotherapie (2. Auflage). Schattauer Verlag.

Schore, A.N. (2009). Affektregulation und die Reorganisation des Selbst (2. Auflage). Klett-Cotta Verlag.

Storck, T. (2021). Abwehr und Widerstand. Kohlhammer Verlag.

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