Der Autor des Essays kritisiert, dass dem Curriculum des Internationalen Instituts für Bioenergetische Analyse (IIBA) der Bezug zu bioenergetisch-psychodynamischen Gruppenarbeitsformen fehlt und kulturelle Unterschiede nicht berücksichtigt werden. Er betont, dass für den Transfer der Bioenergetischen Analyse in einen anderen Kulturkreis Anschlussmöglichkeiten gefunden werden müssen. Zu diesem Zweck schlägt er vor, gleichzeitig eine Top-Down-Haltung, die den Bezug zur bioenergetischen Lehre sichert, und eine Bottom-Up-Haltung, die die fortlaufende Überprüfung der Theorie unter Bezugnahme auf die jeweiligen gesellschaftlichen, transkulturellen und erfahrungsbasierten Prozesse ermöglicht, einzunehmen. Zudem plädiert er dafür, das bioenergetische Konzept des Groundings einer Person in ihrer Lebenswirklichkeit um das Grounding im Gruppenprozess, im prägenden gesellschaftlichen Umfeld und im jeweiligen Ereignisraum des einzelnen Menschen zu erweitern. Als in China tätiger Bioenergetischer Analytiker unterscheidet der Autor dabei inter-, multi- und transkulturelle Kommunikation und illustriert seine Position an Beispielen wie dem kulturellen Wahrnehmungsmodus, konfuzianischer Hierarchie, konkreten Kommunikations- und Beziehungsmodi oder der besonderen Relevanz der englischen Sprache in der Bioenergetischen Analyse.
Di Nicola, V. (2024). Changing the Subject: From System to Culture to the Event. Unveröffentlichtes Preprint. http://doi.org/10.13140/RG.2.2.30837.96488
Erikson, E. (2005). Kindheit und Gesellschaft. Stuttgart: Klett-Cotta.
Geertz, C. (2003). Dichte Beschreibung. Beiträge zum Verstehen kultureller Systeme. Frankfurt a.M.: Suhrkamp.
Glaser, B. & Strauss, A.L. (2010). Grounded Theory: Strategien qualitativer Sozialforschung. Göttingen: Hans Huber.
Haupt, C. (2006). Die Darstellung des Konfuzius in Texten der Zhanguo- und frühen Han-Zeit (Dissertation). http://doi.org/10.5282/edoc.10363
Honer, A. (2008). Lebensweltanalyse in der Ethnographie. In U. Flick, E. von Kardorff & I. Steinke (Hrsg.), Qualitative Forschung – Ein Handbuch (6. Auflage, S. 194–204). Hamburg: Rowohlt.
IIBA (1977). Training Manual in Bioenergetic Analysis. Institutsinterne Veröffentlichung.
Kriz, J. (2008). Kontextwirkungen in der Psychotherapie. In M. Hermer & B. Röhrle (Hrsg.), Handbuch der therapeutischen Beziehung, Band 2 (S. 1271–1290). Tübingen: dgvt-Verlag.
Lowen, A. (1995). Joy: The Surrender to the Body and to Life. London: Penguin.
Ma-Kellams, C., Blascovich, J. & McCall, C. (2012). Culture and the Body: East-West Differences in Visceral Perception. Journal of Personality and Social Psychology, 102(4), 718–72.
Muckenhuber, J. (2022). Die Gesellschaft und die Couch. Auseinandersetzungen mit individuellen und sozialen Bedingungen für eine emanzipatorische Psychotherapie. Psychotherapieforum, 26, 87–93.
Nazarkiewicz, K. & Krämer, G. (2012). Handbuch interkulturelles Coaching. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.
Northoff, G. (2015). Wie kommt die Kultur in den Kopf? Eine neurowissenschaftliche Reise zwischen Ost und West. Wiesbaden: Springer Spektrum.
Plessner, H. (2017). Die Stufen des Organischen und der Mensch. Berlin: de Gruyter.
Reich, W. (1984). Rede an den kleinen Mann. Frankfurt a.M.: Fischer Taschenbuch.
Reich, W. (2022). Massenpsychologie des Faschismus. Gießen: Psychosozial-Verlag.
Sollmann, U. (1986). Die Rolle der Gruppe in der Bioenergetischen Analyse. In H. Petzold (Hrsg.), Modelle der Gruppe (S. 65–94). Paderborn: Junfermann.
Sollmann, U. (2006). Gruppenprozesse in der Bioenergetischen Analyse. In G. Marlock & H. Weiss (Hrsg.), Handbuch der Körperpsychotherapie (S. 828–834). Stuttgart: Schattauer.
Sollmann, U. (2007a). Das Wir und die Anderen – Neuere Entwicklungsaspekte der Organisationsdynamik einer internationalen Psychotherapeutenorganisation. Forum der Bioenergetischen Analyse, 1, 115–128.
Sollmann, U. (2007b). Self and Community, Creating Connections in Broken Times. Forum der Bioenergetischen Analyse, 1, 131–134.
Sollmann, U. (2008a). Die psychotherapeutische Familie und ihre Tribalisierung. Psychotherapie Forum, 16, 147–153.
Sollmann, U. (2008b). Affektive Gratifikation und Organisationsentwicklung – Zum Verhältnis von persönlicher Sehnsucht und Sehnsucht nach Professionalität in einer psychotherapeutischen Organisation. Psychotherapie Forum, 16, 179–183.
Sollmann, U. (2016). Integration of Psychotherapy (Schools) in China (Retrospect to the Panel at the Annual Meeting of the Chinese Association of Mental Health, Beijing, August 2016). International Journal of Body, Mind and Culture, 5(1):61–66. http://doi.org/10.22122/ijbmc.v5i1.107
Sollmann, U. (2018). Begegnungen im Reich der Mitte – Mit psychologischem Blick unterwegs in China. Gießen: Psychosozial-Verlag.
Sollmann, U. (2020). »Independent Self« and »Interdependent Self«. Reflections on the Reference to the Body Perspective in Psychotherapy and Psychosomatics in China. Auckland: Traditional Medicine Research.
Sollmann, U. & Grosserüschkamp, R. (2004). Comments on the Situation of the Bioenergetic Analysis. Unveröffentlichtes Manuskript als Verhandlungsgrundlage zwischen dem IIBA und DVBA.
Sun, L. (1994). Das ummauerte Ich: Die Tiefenstruktur der chinesischen Mentalität. Leipzig: Kiepenheuer.
Unschuld, P. (2015). Antike Klassiker der chinesischen Medizin. Berlin: Cygnus.