2.3 Body-Psychodynamic Therapy with Children and Adolescents | Körperpsychodynamische Therapie mit Kindern und Jugendlichen
Teil 3: Ausgewählte Anwendungsbereiche der psychodynamischen Bioenergetik Kapitel 3.3

Körperpsychodynamische Therapie mit Kindern und Jugendlichen

Bereits in der Anfangsphase der Psychoanalyse modifizierten Therapeutinnen die Methode, um sie bei Kindern und Jugendlichen anwenden zu können. Aus ihren klinischen Beobachtungen heraus formulierten sie entwicklungspsychologische Erkenntnisse, die die psychodynamische Theoriebildung und Behandlungstechnik bis heute maßgeblich beeinflussen. Nicht nur, aber auch ihren Beiträgen ist es zu verdanken, dass die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen nach und nach in den Fokus der gesellschaftlichen Wahrnehmung bzw. der Gesetzgebung gerückt sind – wenn auch bei Weitem noch nicht in ausreichendem Maß. Unter besonderer Berücksichtigung bioenergetischer Beiträge weist dieser Essay nach, dass der körperpsychodynamischen Therapie bezüglich der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ein mit der Psychoanalyse vergleichbares Potenzial innewohnt, und zwar sowohl hinsichtlich der Weiterentwicklung ihrer eigenen Theorie und Behandlungstechnik als auch bezogen auf eine fachlich fundierte Interessensvertretung für diese vulnerabelste aller Bevölkerungs- und Klientinnengruppen.

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  • Erstaunlicherweise fristete die Behandlung von Kindern und Jugendlichen in der Psychoanalyse lange – und fristet in der Bioenergetik nach wie vor – ein Nischendasein. Und das, obwohl beide Methoden die Kindheit und Jugend eines Menschen für die entwicklungspsychopathologisch entscheidenden Lebensphasen halten!
  • Entsprechend hoch ist der entwicklungspsychologische Erkenntnisgewinn – bzw. er könnte es sein –, wenn man Kinder und Jugendliche therapiert. Die Arbeiten von Anna Freud und Melanie Klein belegen eindrücklich, dass die therapeutische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen »Entwicklungspsychologie live« ist.
  • Dafür müssen die Methoden an die besonderen Bedürfnisse, Einschränkungen und Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen angepasst werden. Dadurch ergeben sich neben dem entwicklungspsychologischen Erkenntnisgewinn auch methodische Weiterentwicklungen für die Behandlung von Erwachsenen.
  • Der nicht zuletzt auch von psychodynamischer Seite vorangetriebene Wissenszuwachs in Bezug auf die Bedürfnisse und die Vulnerabilität von Kindern und Jugendlichen führte in den vergangenen Jahrzehnten zur Installation von umfangreichen Kinderschutzgesetzen. Diese spiegeln das gewachsene gesellschaftliche Bewusstsein zur Fürsorgepflicht gegenüber Minderjährigen und damit zukünftigen Generationen wider.
  • Heutige Kinder- und Jugendtherapeutinnen unterliegen den Kinderschutzgesetzen und dem damit einhergehenden gesellschaftlichen Fürsorge-Fokus in besonderer Weise. Aufgrund ihrer zum Teil körpernahen Interventionen gilt dies besonders für körperpsychotherapeutisch orientierte Kolleginnen. Umso mehr stehen sie in der Pflicht, ihr Tun konzeptionell gut zu begründen und transparent zu gestalten.
  • Der Erwerb einer körperpsychodynamischen Kompetenz, d.h. das gemeinsame Denken und therapeutische Verweben von energetischen Körperprozessen und deren psychodynamisch sichtbaren Erscheinungsformen, bietet die ideale Grundlage zur Erfüllung der modernen Anforderungen an Kinderschutz und -selbstbestimmung und führt zugleich zum Aufbau einer Halt gebenden therapeutischen Identität.
  • Bioenergetische bzw. körperpsychotherapeutische Kolleginnen berichten wiederholt, dass sich bioenergetische und psychodynamische Konzepte klinisch gegenseitig sehr bereichern – gerade bei Kindern und Jugendlichen, die sich entwicklungspsychologisch bedingt ohnehin sehr »körpernah« erleben.

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