Healing through or with the body
Teil 1: Wege in eine psychodynamische Bioenergetik Kapitel 1.3

Heilung durch den oder mit dem Körper

Möglichkeiten und Grenzen der Selbstregulation

Dieser Essay ist ein Plädoyer für Körperübungen und die entsprechende Auseinandersetzung mit den durch die Übungen angestoßenen Lebensthemen und Widerständen. Autoethnografisch nähern sich die Autoren den Phänomenen der Heilung, des Groundings, den erlebten Grenzen und den Möglichkeitsräumen des eigenen Erlebens an. Ihre leitenden Konzepte und tragenden Ideen sind dabei Körper- und Charakterpanzerungen, Reichs dreischichtiges Charaktermodell, die therapeutische Reise im Sinne einer mittelalterlichen Wanderschaft und Serendipität. Persönliche Erlebnisse rund um die Überwindung erlebter Grenzen und die Schaffung neuer Möglichkeiten runden den Essay ab.

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  • Ein therapeutischer Prozess ist mit einer mittelalterlichen Reise zu Fuß oder zu Pferd vergleichbar. Relativ bald erreicht man unbekanntes Gebiet, ist verwirrt und ab und an orientierungslos. Langsam arbeitet man sich durch das Gestrüpp und Dickicht der Psyche. Über weite Strecken nehmen Ungemach und Begegnungen mit Fremdheit die volle Aufmerksamkeit des Reisenden in Anspruch.
  • Die äußerste Schicht von Wilhelm Reichs dreischichtigem Charakterstrukturmodell ist die Fassade gewachsener Sozialität und zwanghafter Höflichkeit. Darunter verborgen liegt das Verdrängte bzw. das Freud’sche Unbewusste. Im Zentrum verbirgt sich der biologische Kern, Heimat der natürlichen Sozialität, Liebesfähigkeit, Sexualität und spontanen Arbeitsfreude. Die drei Schichten haben keinen direkten Kontakt zueinander. Ein Impuls aus dem biologischen Kern wird von den Charakter- und Körperpanzerungen umgeschrieben und mit den Möglichkeiten der Fassade in die Welt gebracht.
  • Serendipität erfordert eine Lebensbewegung voller Forscherdrang, denn erst wenn man sucht, kann man auch etwas entdecken. Durch Scharfsinn lassen sich unerwartete Ereignisse erkennen und in neues Wissen umwandeln.
  • Im Bild des Lebens als Entwicklungsspirale gibt es keine Rückschritte, nur ein Vorwärts. Was sich wie ein Rückfall anfühlt, ist in Wirklichkeit ein Schritt nach vorne.
  • Individuell auf die Charakterstruktur und körperliche Notwendigkeiten abgestimmte Körperübungen, ergänzt durch kräftigende und beweglichkeitsfördernde Übungen, führen zu einer deutlichen Verbesserung der Körperhaltung und des Gesamtbefindens – sofern sie regelmäßig und konsequent durchgeführt werden.

Drei Anregungen zur Reflexion/Selbstbeobachtung

  1. Wie viel Zeit (pro Woche oder pro Tag) wende ich für mein körperliches Wohlbefinden auf?
  2. Wie ist meine Körperhaltung im Alltag? Welche Fehlhaltungen haben sich eingeschlichen? Vielleicht nach vorne gebeugt? Oder nach hinten gelehnt? Vielleicht ein vor- oder zurückgeschobenes Becken? Sitze ich vielleicht zusammengesunken am Computer?
  3. Welchen Stellenwert hatte und hat Bewegung/Sport in meinem Leben? Was zähle ich dazu? Was ist ausgenommen?

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