2-2-3 Female Identities / Weibliche Identitäten
Teil 4: Bioenergetisch-psychodynamisches Arbeiten in der Postmoderne Kapitel 4.3

Weibliche Identitäten

Geschlechtliche und sexuelle Körper im Entstehen

Weibliche Identitäten sind soziokulturelle Konstruktionen. Zwar haben sie sich im Übergang von der patriarchalen zur postmodernen Gesellschaft verändert und können sich freier zwischen den Polen »weiblich« und »männlich« bewegen. Dennoch wird das Weibliche weiterhin vom Männlichen kolonisiert und u.a. durch den mütterlichen Körper, der die Geschichte einer über viele Generationen von einer patriarchalen Kultur geprägten Weiblichkeit in sich trägt, vermittelt. Unter Bezugnahme auf psychodynamische Theorien und das bioenergetische Erdungskonzept beschäftigt sich der Essay anhand von zwei Fallvignetten damit, wie der Übergang vom körperlichen Erleben für den Anderen zu einem körperlichen Erleben mit dem Anderen bewältigt werden kann. Dabei kritisiert die Autorin den Umgang mit Weiblichkeit in der BA. Sie plädiert dafür, männliche und weibliche Identitäten als Ausdruck des bio-psycho-sozialen Seins zu verstehen und den Dimensionen und Nuancen dieses Seins auch in der BA mehr Anerkennung bzw. Interesse entgegenzubringen.

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  • Es gibt keinen Körper, der nicht geschlechtsspezifisch ist. Das Geschlecht wird jedoch als politisch-kulturelle Konstruktion erworben.
  • Das Weibliche wurde von der männlichen Kultur in einem solchen Ausmaß kolonisiert, dass es unmöglich ist, Aussagen über Weiblichkeit zu treffen, ohne den patriarchalen Blickwinkel zu berücksichtigen.
  • Von Beginn an hat das Kind eine körperlich-geschlechtliche Beziehung zum Körper der Mutter, die sich u.a. in Gesten, Körperhaltungen, Gewohnheiten und Rhythmen ausdrückt. Dabei trägt der mütterliche Körper die Geschichte einer Weiblichkeit in sich, die über viele Generationen von einer patriarchalen Kultur geprägt wurde und diese an das Kind weitergibt.
  • Diese Prägung setzt sich auch in postpatriarchalen Gesellschaften in Form von Substrukturen fort, die von einer triumphierenden Männlichkeit durchdrungen sind und über das kollektive Unbewusste weitergegeben werden.
  • Die männliche Vermittlung des Weiblichen hat in der Vergangenheit dazu geführt, dass sich die Frau nicht mit ihren eigenen Augen, sondern mit den Augen von Männern sah. Dabei wurde das körperliche Erleben mit dem Anderen durch körperliches Erleben für den Anderen ersetzt und das Weibliche wurde von Frauen und Männern gleichermaßen verleugnet.
  • Im Übergang von der patriarchalen zur postmodernen Gesellschaft haben sich weibliche Identitäten verändert. Sie sind nicht mehr in der binären Anpassung gefangen, sondern können sich freier in den Räumen zwischen den Polen männlich und weiblich bewegen. Damit wird es möglich, Sexualität ungehemmt zu erleben und vom Objekt zum Subjekt des Begehrens zu werden.
  • Die flüssig gewordenen sexuellen Identitäten können auch zu psychischen Leiden und Entscheidungslähmungen führen.
  • Der im 21. Jahrhundert zu beobachtende Trend zu FTM-Übergängen wirft die Frage auf, ob das Männliche immer noch (oder wieder) der vorherrschende Wert ist und im Kontext der soziohistorischen Verleugnung des Weiblichen eine weiterhin bestehende Überbewertung des Männlichen widerspiegelt.

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