Der seit dem 19. Jahrhundert in den Industriegesellschaften zunehmend zu beobachtende Prozess der Individualisierung hat spezielle Ausdrucksformen psychischen Leidens hervorgebracht, die in enger Wechselwirkung mit den politischen, technologischen und kulturellen Werten der jeweiligen Epoche stehen. Aus einer zunächst psychodynamischen und später bioenergetischen Perspektive vollzieht der Autor diese Veränderungen nach. Dabei nimmt er vertieft auf den aktuellen postmodernen Zeitgeist Bezug und zeigt, dass das derzeitige individualisierte Identitätsverständnis das Auftreten von Erschöpfungserkrankungen wie Depressionen begünstigt. Die Gründe hierfür liegen vorrangig im Scheitern an frühkindlichen Verselbstständigungs-Aufgaben. Damit kann das Kind nicht ausreichend die mentalen Fähigkeiten erwerben, um Getrenntheit (orale Stufe), Verlassenheit (anale Stufe) und Ausgeschlossenheit (ödipale Stufe) zu akzeptieren, und es kommt zu Defiziten bei der Entwicklung der psychischen Struktur. Entsprechend plädiert der Autor dafür, den Aspekt der Bewältigung von kindlichen Entwicklungsaufgaben stärker in den Fokus der bioenergetischen Therapie zu rücken.
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